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Arabische Herrschaft und Widerstand im Sudan

Der Sudan ist ein gespaltenes Land. Ein dauerhaft friedliches Zusammenleben der sudanesischen Bevölkerung zwischen Arabern und nicht-Arabern hat bisher nicht stattgefunden.

Arabische Stämme und einzelne Siedler wanderten von der arabischen Halbinsel her in den Norden des heutigen Sudan ein. Das Verhältnis zwischen arabischer und afrikanischer Bevölkerung ist seitdem geprägt von Mißtrauen auf der einen Seite und Arroganz auf der anderen Seite. Die Ursachen dafür sind zu suchen in dem Anspruch der arabischen Eliten, über die ansässige Bevölkerung sowohl politische, wirtschaftliche als auch religiöse und kulturelle Dominanz auszuüben.

Ein Erbe der Kolonialherrschaft Großbritanniens und Ägyptens ist, daß die beiden Landesteile unter einer - arabischen - Regierung in die Unabhängigkeit 'entlassen' wurden, die nie ernsthaft eine gleichberechtigte Beteiligung der Gesellschaften des Südsudan zulassen wollte. Die Interessen Großbritanniens waren zum damaligen Zeitpunkt nicht die Entwicklung des Landes, vielmehr ging es darum, Ägyptens Ansprüchen auf ein ungeteiltes Sudan unter arabischer Herrschaft zu entsprechen. Als Gegenleistung erhielt Großbritannien seinen Einfluß auf den Suezkanal, der strategisch wichtigen Verbindung zwischen Mittelmeer und Rotem Meer.

Ein deutliches Zeichen dafür, daß jedes Mittel - direkter oder indirekter Gewalt - recht ist, ist das Bestreben der arabischen Eliten, die Geschichte umzuschreiben. Eine offizielle Version der sudanesischen Geschichte wurde inzwischen in die Schulbücher aufgenommen. Ihr zufolge war das ganze Gebiet des nordöstlichen Afrika menschenleer und die arabischen Einwanderer trafen erst weiter im Süden auf Menschen.

Das Sumpfgebiet

Zu Zeiten, als das große Sumpfgebiet Sudd noch ein geographisches Hindernis darstellte, konnte praktisch niemand vom Norden her Raubzüge oder Expeditionen in die südlichen Gebiete des heutigen Sudan vornehmen - geschweige denn das Gebiet kolonisieren und beherrschen. Das Gebiet südlich des Sudd blieb deshalb lange Zeit vor den Begierden arabischer oder europäischer Eroberer verschont. Und das, obwohl diese Vertreter ihrer jeweiligen 'Zivilisationen' großes Interesse hatten, die Nilquellen zu beherrschen.

Die Quellen des Nils waren bis dahin unentdeckt geblieben, da der Nil im Sudd kaum schiffbar war. Er vezweigt sich in Millionen Nebenarme und das gesamte mit Wasser bedeckte Gebiet hat eine Ausdehnung von der Größe Englands. Expeditionen, die sich vom Norden her aufmachten, die sagenumwobenen Nilquellen zu entdecken, kehrten um oder gingen in den Sümpfen verloren.

Für Ägypten war die Entdeckung der Nilquellen von je her ein großes Anliegen. Der Nil ist die Quelle des Lebens für das Land. Ägypten besteht zum großen Teil aus Wüste und die Bewässerung durch den Nil ist notwendig für jede Landwirtschaft. Die Sorge war deshalb groß, die Nilquellen könnten in der Hand eines Herrschers geraten, der die Möglichkeit hat, den Fluß des Wassers nach Ägypten zu verhindern. (s. a. Der Nil)

Der Staat Sudan

Die Geschichte bis zum modernen Staat und im modernen Staat war und ist geprägt von Kolonialisierung durch verschiedene Zentralgewalten. 1956 wurde der Sudan in den heutigen Grenzen unabhängig - trotz der Proteste und Bedenken der Südsudanesen. Seitdem mußten sich die marginalisierten Regionen immer als Kolonie anderer, mächtigerer Schichten und Interessen betrachten. Bei der Unabhängigkeit wurde die Macht gänzlich in die Hände der arabischen Eliten gegeben. Sie erhielten damit jede Möglichkeit, diejenigen Bevölkerungsteile, die nicht ihren Interessen dienlich waren, zu marginalisieren. Diese Möglichkeiten haben sie gründlich genutzt.

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In der 45-jährigen Geschichte der Beherrschung durch die mächtigen sudanarabischen Eliteclans haben diese ihre politische Herrschaft gefestigt. Sie kontrollieren die Wirtschaft des Landes. Südsudanesische Industrie wurde nach der Unabhängigkeit nach Norden verlagert. Die Regierung legt fest, wo Plantagen betrieben werden und vor allem von wem. Die meisten Vorkommen an Bodenschätzen wurden im Süden des Landes entdeckt. Ihre Ausbeutung liegt aber vollkommen in nordsudanesischer Hand. Seit der Unabhängigkeit haben Regierungen in Khartum und verstärkt die seit 1989 regierenden Islamisten Methoden angewendet, um ihre Macht auszubauen. Auch im Norden des Landes war das Wohl der Bevölkerung nicht die Maxime der Regierenden. Aber nur für nicht-arabische und nicht-islamische Menschen wurden jeweils die Grausamkeiten verstärkt, sie zu islamisieren und zu arabisieren.

In den meisten Gegenden außerhalb der zentralen Gebiete um Khartum und einigen anderen Städten wird wenig bis gar nicht investiert. Im Gegenteil diese Regionen waren immer wieder Ziel von Vertreibung, Landenteignung und Versklavung.

Der Bürgerkrieg

Ganz entgegen des Bildes das von den Konflikten im Sudan meistens gezeichnet wird, ist es beileibe nicht so, daß lediglich die Menschen im animistischen und christliche Süden vertrieben und entrechtet wurden. Auch nordsudanesische und muslimische Bevölkerungsteile wurden von der zerstörerischen Politik nicht ausgenommen.

Die Menschen im Süden des Landes, in den Nubabergen und im Ingassana Gebiet sind am stärksten betroffen von den Gefahren, die ihr Leben, ihre Identität und ihre Menschenwürde bedrohen. Sie leben im Krieg und die Regierung beansprucht das Land für sich. Menschen sind ihnen dabei nur im Weg. Nicht offiziell bestätigt, aber gut zu beobachten ist die Tatsache, daß die Regierung Omar al Bashirs seit dem Beginn der Ölförderung verstärkt Strategien verfolgt, die auf Vernichtung oder Assimilierung der gesamten nicht-arabischen Bevölkerung abzielen.

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Zu besonderen Gelegenheiten bestätigen die jeweiligen Regierungen in Khartum und besonders die NIF/NC-Regierung seit 1991 immer wieder ihre Strategie, die Menschen im Süden zu vernichten. Bei Feierlichkeiten zur Verlegung von Truppen an die Front, bei panarabischen Gipfeltreffen etc. ist die Rhetorik nicht mehr geschliffen. Es wird ganz offen davon gesprochen, daß die Bevölkerung, die überlebt, assimiliert werden soll, weil sie sonst eine Gefahr darstellt: für den Islam, für die Regierung, für die Herrschaft der arabischen Kultur etc. Solche Sprache kann man aber eben nur im Rahmen von Veranstaltungen mit arabischen oder islamischen Besuchern und Programmen erleben. Allseits bekannt ist aber, daß der Krieg einseitig religiös aufgeheizt wurde.

Indem der Bürgerkrieg 1991 von der Regierung in Khartoum umdefiniert und zum Jihad "Heiliger Krieg" erklärt wurde, hat er eine neue Bedeutung erhalten. Dadurch wird es für jeden gläubigen Muslim zur Pflicht, islamische Werte zu verteidigen gegen die zu Feinden des Islam stilisierten Gegner. Diese werden zu 'Ungläubigen' erklärt, deren Leben nicht zu schützen ist. Menschenverachtende und hasserfüllte Rhetorik ist dort an der Tagesordnung. Die Regierung beansprucht aber trotz allem eine Regierung für alle Sudanesen zu sein.

Einen Ungläubigen zu töten, ob im heiligen Krieg oder im Alltag, bringt einen heiligen Krieger dem Paradies näher. Sein eigener Tod im Kampf macht ihn automatisch zum Märtyrer.

Schon vor 1991 erkannten die arabischen Eliten die Rechte der nicht-arabischen Bevölkerung nicht an. Materielle, soziale und kulturelle Rechte wie Landbesitz, Infrastruktur, Wasserversorgung, Bildung, Gesundheit, Selbstbestimmung und kulturelle Traditionen wurden noch nie respektiert. Die Grundrechte auf Leben, Nahrung,Unterkunft und Freiheit der Rede und der Religion werden mit Füßen getreten.

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